Kopfweiden – Ein Refugium der Natur

Kopfweiden sind in unserer ausgeräumten Landschaft wertvolle Rückzugs- und Überlebensräume für viele vom Aussterben bedrohte Organismen. So leben in und um die Weidenstämme Fledermäuse, Steinkäuze und Weidenspinner. Kopfweiden bieten einer Vielzahl weiterer Insekten und Vogelarten Heim- und Raststätte. Durch eine Besonderheit des Weidenbaums – er zählt zu den Weichholzarten – bilden sich sehr schnell viele Hohlräume im Stammbereich und bieten so den begehrten Lebensraum.

Doch diese Lebensräume sind bedroht, denn die Kopfweide entsteht erst durch menschliche Nutzung. Aus ihrem Holz wurden neben Brennmaterial Zaunpfähle, Besenstiele und vieles mehr hergestellt. Bei dieser Nutzung wurden die Bäume regelmäßig zurück geschnitten und haben dadurch ihre typische Form erhalten.

Leider sind in der Gegenwart diese traditionellen Nutzungsformen kaum noch relevant. Die Äste der Kopfweiden wurden zu groß und zu schwer, sodass die Bäume auseinander brachen und als Lebensraum und Kulturgut verloren gingen.

Seit einigen Jahren versuchen zahlreiche ehrenamtliche Naturfreunde die Kopfweiden zu erhalten. Dies geschieht durch das Köpfen der Weiden im drei- bis fünfjährigen Pflegerhythmus in den Wintermonaten. Dabei werden die Weidenäste etwa 15 bis 20 cm über dem eigentlichen Kopf abgesägt. Dabei ist darauf zu achten, dass die die Rinde der Äste beim Sägen nicht einreißt und die Schnittflächen nicht waagerecht verlaufen, damit das Regenwasser ablaufen kann. Außerdem muss darauf geachtet werden, dass bei lange nicht geschnittenen Weiden dünne oder kleinere Äste stehenbleiben müssen, damit nicht die gesamte Weide abstirbt. Ein Grundschnitt ist zu Beginn der Pflege erforderlich. Bei den weiteren Pflegeschnitten ist selektives (d.h. immer die stärksten Äste) Entfernen ausreichend.

Die Arbeitsschutzbestimmungen bei dieser Tätigkeit bzw. beim Umgang mit Kettensägen sind unbedingt einzuhalten.

Die abgeschnittenen Äste können zu Kopfweidenstecklingen aufgearbeitet werden. So erhält man nicht nur Kopfweiden, sondern schafft auch neue Lebensräume.

Der BUND widmet sich dieser ernstzunehmenden Aufgabe mehrmals, jeweils im Herbst und Winter. Interessierte sind bei den Aktionen immer willkommen.